Kraftstoff 14. April 2026 SpritExperte Redaktion

Brent fällt, Bundestag beschließt – aber an der Zapfsäule passiert noch nichts: Warum die 17 Cent auf sich warten lassen

Der Ölpreis gibt nach, die Koalition hat die Steuersenkung beschlossen – und trotzdem zahlen Autofahrer heute noch genau so viel wie gestern. Zwischen politischem Beschluss und echtem Rabatt an der Zapfsäule liegen Wochen. Was gerade passiert, warum das so ist – und wann sich wirklich etwas ändert.

Brent fällt, Bundestag beschließt – aber an der Zapfsäule passiert noch nichts: Warum die 17 Cent auf sich warten lassen
Symbolbild: KI-generiert

Brent-Rohöl ist von 102 auf 97 Dollar gefallen. Die Bundesregierung hat die Mineralölsteuer um 17 Cent gesenkt. Klingt gut – ist es auch. Nur: An der Zapfsäule merkt heute noch niemand etwas davon. Zwischen dem, was Politiker beschließen, und dem, was Autofahrer zahlen, liegen Wochen. Wir erklären, warum.

Der Ölpreis gibt nach – aber nur ein bisschen

Am Dienstagmorgen notiert Brent-Rohöl bei rund 97,45 Dollar pro Barrel – ein Rückgang von knapp 1,65 Prozent gegenüber dem Vortag. Nach dem Schock vom Montag, als der Preis auf über 103 Dollar schoss, klingt das nach Erleichterung. Und tatsächlich: Die Märkte reagieren auf Signale aus Washington. Trump erklärte am Montagabend auf Truth Social, Iran habe „heute Morgen die richtigen Leute" angerufen und wolle „sehr dringend" einen Deal. Damit deutet sich an, dass hinter den Kulissen trotz aktiver US-Marine-Blockade der Straße von Hormuz weiter verhandelt wird.

Analysten bleiben trotzdem vorsichtig. Morgan Stanley weist darauf hin, dass der physisch gehandelte Brent-Preis weitaus stärker schwankt als der Futures-Preis – ein Zeichen, dass es tatsächlich zu Versorgungsunterbrechungen kommt. Goldman Sachs hat seine Prognose gespalten: Bei einer Deeskalation sieht die Bank Brent in Richtung 85 bis 90 Dollar driften. Bleibt die Hormuz-Blockade dagegen länger bestehen, bleibe der Preis laut Goldman über 100 Dollar. JPMorgan hatte im Extremfall sogar 150 Dollar als mögliche Marke genannt. Der Spielraum nach unten ist da – aber er ist abhängig von Trumps nächstem Tweet.

Die 17 Cent: Beschlossen, aber noch nicht Gesetz

Am Montagmorgen präsentierten Bundeskanzler Friedrich Merz, Vizekanzler Lars Klingbeil und CSU-Chef Markus Söder das Ergebnis ihrer Wochenendverhandlungen in der Villa Borsig: Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel wird für zwei Monate um rund 17 Cent pro Liter gesenkt. 1,6 Milliarden Euro kostet die Maßnahme den Bundeshaushalt. Zusätzlich dürfen Arbeitgeber eine steuer- und abgabenfreie Krisenprämie von bis zu 1.000 Euro auszahlen.

Was viele Autofahrer nicht wissen: Das ist bislang ein politischer Beschluss – kein Gesetz. Bevor die Senkung in Kraft treten kann, muss sie den parlamentarischen Weg nehmen. Das bedeutet: Bundestag und Bundesrat müssen zustimmen. Laut Einschätzungen verschiedener Medien dauert das „eher Wochen als Tage". Ein konkretes Abstimmungsdatum im Bundesrat steht bislang nicht fest. Wer also heute oder in den nächsten Tagen tankt, zahlt noch den vollen Preis – ohne jede Entlastung.

Auch wenn das Gesetz kommt: Der Rabatt kommt trotzdem nicht sofort

Selbst wenn Bundestag und Bundesrat schnell handeln, löst das nicht automatisch eine sofortige Preissenkung an der Zapfsäule aus. Das liegt am Lagerbestand-Problem: Tankstellen und Großhändler haben ihren Kraftstoff zu alten, höheren Einkaufspreisen eingekauft. Diesen Bestand dürfen – und werden – sie zuerst abverkaufen, bevor günstigerer, steuerreduzierter Nachschub eintrifft. Das kann weitere ein bis zwei Wochen dauern.

Hinzu kommt eine Unsicherheit, die Ökonomen bereits 2022 beim ersten Tankrabatt beschäftigt hat: Wird die Steuersenkung vollständig weitergegeben? Damals floss ein Teil der Entlastung in die Margen der Mineralölkonzerne. Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung warnte auch jetzt wieder, ein erheblicher Teil des Steuervorteils könne in den Bilanzen der Ölkonzerne landen statt an der Zapfsäule. Merz forderte die Industrie auf, die Entlastung „direkt und vollständig" weiterzugeben. Der ADAC will das genau beobachten und hat die Bundesregierung aufgefordert, Mechanismen bereitzuhalten, falls Konzerne die Senkung einbehalten.

Was bedeutet das konkret für Autofahrer?

Aktuell liegt der bundesweite Durchschnittspreis für Diesel bei rund 2,45 Euro pro Liter, Super E10 bei etwa 2,13 Euro (Stand: 13./14. April, ADAC-Daten). Im besten Fall – schnelles Gesetzgebungsverfahren, vollständige Weitergabe, kein weiterer Ölpreisanstieg – könnten diese Preise Anfang Mai in Richtung 2,28 Euro (Diesel) und 1,96 Euro (E10) fallen. Im schlechtesten Fall – weitere Eskalation an der Hormuz-Straße, schleppende Bundesrats-Abstimmung, nur teilweise Weitergabe – ändert sich bis Mai kaum etwas oder die Preise steigen weiter.

Merz selbst sagte auf der Pressekonferenz am Montag ungewöhnlich offen: „Danach wird automatisch wieder der alte Steuersatz gelten. Das bedeutet ehrlicherweise, dass jedenfalls dann die Preise auch wieder steigen werden." Ein befristetes Pflaster für einen strukturellen Schmerz – das weiß die Bundesregierung selbst.

Hormuz: Blockade läuft, Diplomatie auch

Die US-Marine-Blockade iranischer Häfen ist seit Montagmittag in Kraft. Gleichzeitig laufen die diplomatischen Fäden weiter: Pakistan hat angeboten, eine zweite Verhandlungsrunde in Islamabad zu vermitteln. Frankreich und Großbritannien arbeiten an einer „friedlichen multinationalen Mission" zur Sicherung der Navigationsfreiheit in der Straße von Hormuz – ohne sich der US-Blockade anzuschließen. Und Trump behauptet, Iran habe signalisiert, verhandeln zu wollen.

Ob daraus in den nächsten Tagen ein Durchbruch wird, entscheidet maßgeblich auch darüber, was Deutsche an der Zapfsäule zahlen. Denn die 17 Cent Steuersenkung können durch einen erneuten Ölpreisanstieg schnell wieder aufgefressen werden – das ist das unbequeme Rechenexempel hinter dem politischen Versprechen.

Stand: 14. April 2026, 07:25 Uhr | Quellen: Bloomberg, ADAC, ZDFheute, Handelsblatt, Al Jazeera, Goldman Sachs, Stuttgarter Nachrichten, Euronews, CNBC

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